Kandy Perahera
Alljährlich zum Vollmond im Juli oder im August (im überlieferten Monat „Esala“) scheint Sri Lanka ausgestorben zu sein. Geschäfte sind geschlossen, die Hauptstraße in den Süden ist fast menschenleer.
Es ist die Zeit, in der in Kandy die Perahera, ein festlicher Umzug, stattfindet. Ganz Sri Lanka findet sich in Kandy ein und findet Unterschlupf bei Verwandten, Freunden oder in, zu dieser Zeit, überteuerten Hotels.
Kandy ist auch heute noch das Herz und die Seele der Insel, der letzte singhalesische König hat hier um die Unabhängigkeit gekämpft und die heiligste Reliquie des Buddhismus, der Eckzahn Buddhas, wird im hiesigen Tempel verwahrt. Die Geschichte der Esala Perahera geht bereits auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Durch Umzüge mit geschmückten Elefanten, Tänzern, Trommlern wurde um Regen und um eine gute Ernte gebeten. Der Volksgaube ist der Meinung, dass man nie unter Hungersnöten, Katastrophen oder Revolutionen leiden wird, solange die Umzüge abgehalten werden.
Im Jahr 313 n. Chr. ist der Eckzahn Buddhas, versteckt im Haar einer Prinzessin, auf die Insel gekommen, zu dieser Zeit war Anuradhapura die Königshauptstadt. Die Geschichte erzählt, dass immer die Stadt Königshauptstadt ist, in der sich der Zahn des Buddhas befindet. Demnach war dieser auch über Jahrhunderte durch stark umkämpft.
Im Jahre 1592 kam die Reliquie nach Kandy und wird seither in dem eigens dafür erbauten Tempel, dem Dalada Maligawa, strengstens bewacht und einmal pro Jahr – ev. ist es auch nur eine Kopie? – anlässlich der Perahera auf einem geschmückten Elefanten durch die Stadt getragen.
Die Festlichkeiten in Kandy beginnen, wenn im Monat Esala der Mond zum ersten Mal nach dem Neumond wieder sichtbar ist und dauern zwölf Tage. Alle domestizierten Elefanten der Insel mit ihren Mahuts kommen nach Kandy, um die Umzüge anzuführen. Diese werden dafür festlich geschmückt, erhalten einen festlichen Umhang und werden festlich beleuchtet (der Generator als Stromquelle wird hinter den Elefanten hergezogen). Der Tempelelefant hat die Ehre, den heiligen Zahn auf seinen Rücken, verpackt in vielen Schatullen, durch die Stadt zu tragen. Ihm folgen die anderen Elefanten, Trommler, Musikanten, Tänzer, Feuerschlucker und andere Darsteller.
Die Straßen sind gesäumt mit den vielen Zuschauern, die eigens dafür – teilweise aus aller Welt – angereist sind.
Düfte der Kokosnusslampen, die Akrobatik der Tänzer, das Feuer der Feuerschlucker, die Lichter der Elefanten, der Takt der Trommeln – das alles nimmt einem gefangen und versetzt einem in Trance. Ein Fest für Geist, Körper und Seele.
Besten Dank an Jean-Marc Flambert und Upul Kariyaperuma für die Fotos. |