Es war im April 1990, als ich zum ersten Mal diese Insel im indischen Ozean besuchte. Damals gab es noch kein Internet und ich als 23-jähriges Mädchen kümmerte mich nicht wirklich um Nachrichten. So erfuhr ich auch nicht, dass in den Monaten davor Chaos auf Sri Lanka herrschte. Die JVP, die kommunistische Partei Sri Lankas, hatte vielerorts die Macht übernommen und verbrannte Menschen auf den Straßen.
Erst viele Jahre später erfuhr ich nach und nach mehr über diese Zeit. Damals waren Touristen nicht mehr sicher und Reiseveranstalter und Botschaften waren bemüht, alle Weißen auf schnellsten Weg zum Flughafen zu bringen und in Flieger zu setzen. Man erzählte mir von sehr abenteuerlichen Fahrten von Süden Richtung Colombo und von Beachboys, die nach Abreise der Touristen sich in den Hotelgärten breiten machten.
Da ich ja nichts über die Vorkommnisse wußte, setzte ich mich am 14. April 1990 guten Mutes in den Flieger nach Sri Lanka, meine Freundin Manuela neben mir – sie hatte dieses Reiseziel ausgesucht. An die Landung in Colombo kann ich mich noch gut erinnern: Ich war schockiert – die Palmen in der Nähe der Landebahn hatten eine gelbbraune Farbe. Wo waren die Palmen in frischem Grün aus meinen Träumen, unter denen ich die zweite Woche meines Urlaubs verbringen wollte?
Damals mußte man noch am Flughafen in Colombo am Rollfeld aussteigen, man wurde mittels Autobus zum Fughafengebäude gebracht. Als wir nun das Flugzeug verließen, sprang mir die Hitze und die Luftfeuchtigkeit mit aller Wucht ins Gesicht: Der Reisepass in meiner Hand wurde zu einem feuchten Lappen, die Kleider – eh schon vernudelt vom langen Flug – hingen nun an mir wie an einer überwinterten Vogelscheuche.
Diese erste Reise hatten wir pauschal gebucht, wir mußten uns demnach um überhaupt nichts kümmern. So wurden wir auch gleich von einem dunkelhäutigen Herrn in Empfang genommen und mit einem durchlöcherten VW-Bus (waren ein Einschußlöcher?) zum Hotel Oberoi in Colombo gebracht. Dieses riesige Hotel schüchterte mich sofort ein – war waren irgendwo zwischen 6. und 8. Stockwerk untergebracht und die Fenster ließen sich, aufgrund der Höhe, nicht öffnen. Sogleich suchte ich mir eine Telefonzelle in der Lobby und rief meine Mama an. Sie war ganz überrascht: „Na Dirndl, hobst net fliagn kinna? Seits nu in München?“ – Da die Leitung so klar und ohne Nebengeräusche war, dachte meine Mama, wir wären noch in Europa. |